Mapo Tofu gehört für mich zu den Gerichten, bei denen man ziemlich schnell merkt, warum Sichuan-Küche so viel mehr kann als einfach nur scharf. Fermentierte Chili, Sichuan-Pfeffer, Knoblauch und ordentlich Umami sorgen für Tiefe, während der typische Sichuan-Pfeffer dieses leicht prickelnde Gefühl auf der Zunge hinterlässt.
Für dieses Rezept kommt das Ganze allerdings nicht ganz klassisch auf den Teller. Stattdessen treffen Mapo-Tofu-Aromen auf Udon-Nudeln und eine cremige Sauce aus Seidentofu und Miso.
Das Ergebnis: Creamy Mapo Tofu Udon.
Und ja, das ist keine traditionelle Mapo-Tofu-Zubereitung. Muss es aber auch nicht sein.
Warum Seidentofu in die Sauce kommt
Der vielleicht wichtigste Bestandteil des Rezepts ist gleichzeitig der unscheinbarste: Seidentofu.
Zusammen mit heller Misopaste wird er einfach glatt gemixt und anschließend unter die Udon-Nudeln gehoben. Dadurch entsteht eine cremige Sauce, ohne dass dafür Sahne oder andere schwere Zutaten nötig sind.
Das Miso bringt zusätzlich ordentlich Umami mit. Zusammen mit dem würzigen Sojagranulat, dunkler Sojasauce und Toban Djan bekommt die Sauce ordentlich Tiefe.
Und genau das ist hier wichtig: cremig bedeutet nicht mild.
Das Sojagranulat darf Farbe bekommen
Beim Sojagranulat lohnt es sich, etwas Geduld zu haben.
Nach dem Einweichen zunächst gut abgießen und – falls nötig – etwas ausdrücken. Anschließend kommt es mit Knoblauch, Frühlingszwiebeln, Sichuan-Pfeffer und Toban Djan in die Pfanne.
Jetzt nicht nach zwei Minuten denken: „Das sieht doch schon gut aus.“
Weiterbraten.
Das Sojagranulat soll ordentlich Farbe bekommen und Röstaromen entwickeln. Erst danach wird mit Mirin, dunkler Sojasauce und Reisessig abgelöscht.
Genau hier bekommt die Mischung ihren kräftigen, würzigen Geschmack.
Toban Djan oder Gochujang?
Wenn du Toban Djan bekommst, würde ich es für dieses Rezept auch verwenden. Die fermentierte Chili-Bohnen-Paste bringt eine ganz eigene Würze und die typische Schärfe mit.
Gochujang funktioniert ebenfalls. Das Ergebnis wird dadurch etwas süßer und bringt eine andere Art von Schärfe mit.
Beides gut – nur eben nicht ganz dasselbe.
Und dann kommen die Udon
Die Udon müssen eigentlich nicht viel machen. Kurz in heißem Wasser ziehen lassen, abgießen und zurück in den Topf.
Dann kommt die cremige Seidentofu-Miso-Sauce dazu und alles wird ordentlich vermengt.
Ich würde die Udon dabei nicht zu lange stehen lassen. Die Sauce soll die Nudeln umhüllen und schön cremig bleiben – nicht irgendwann zu einer dicken Masse werden.
Zum Schluss kommt das würzige Sojagranulat darüber. Frühlingszwiebelgrün, gerösteter Sesam, etwas Sichuan-Pfeffer und ein paar Tropfen geröstetes Sesamöl machen den Teller fertig.
Cremige Udon mit ordentlich Charakter
Was ich an diesem Rezept mag, ist die Kombination aus Gegensätzen: cremig und scharf, weich und knusprig, mildem Seidentofu und intensivem Sichuan-Pfeffer.
Dazu kommt, dass das Ganze ziemlich unkompliziert und sogar vegan auf dem Tisch steht.
Rund 25 Minuten, eine Pfanne, ein Topf – und ein Teller Udon, der deutlich mehr Geschmack mitbringt, als die Zutatenliste zunächst vermuten lässt.
Wenn du Lust auf cremige Nudeln hast, aber keine Lust auf eine schwere Sahnesauce, solltest du diese Variante definitiv ausprobieren.

Creamy Mapo Tofu Udon
Zutaten
- 300 g Udon (ready to eat)
- 90 g Sojagranulat (trocken)
- 400 g Seidentofu
- 4 Frühlingszwiebeln
- 1 EL helle Misopaste
- 2 Knoblauchzehen
- 1 EL Toban Djan (Chili Bean Sauce) (alternativ Gochujang)
- Mirin
- dunkle Sojasauce
- Reisessig
- ½ TL Sichuan-Pfeffer (gemörsert)
- gerösteter Sesam
- geröstetes Sesamöl
- Gemüsebrühepulver
Anleitungen
- Seidentofu mit der Misopaste glatt mixen.
- Sojagranulat nach Packungsangabe mit Wasser und Gemüsebrühepulver einweichen. Wenn danach noch Wasser übrig ist, einfach abgießen und das Sojagranulat gegebenenfalls etwas ausdrücken.
- Knoblauch und den weißen Teil der Frühlingszwiebeln fein hacken und zusammen mit der Hälfte des Sichuan-Pfeffers in etwas Öl anbraten. Toban Djan dazugeben und kurz mitrösten. Alternativ funktioniert auch Gochujang – ist dann zwar kein Mapo Tofu mehr, aber wir wollen hier ja keine Doktorarbeit schreiben.
- Sojagranulat dazugeben und ordentlich anrösten. Wenn es schön Farbe bekommen hat, mit jeweils einem guten Schuss Mirin, dunkler Sojasauce und Reisessig ablöschen und kurz einkochen lassen.
- Udon kurz in heißem Wasser ziehen lassen, abgießen und zurück in den Topf geben. Die Creamy-Sauce dazugeben und alles gut vermengen.
- Udon auf zwei Teller verteilen, das würzige Sojagranulat darübergeben und mit dem grünen Teil der Frühlingszwiebeln, geröstetem Sesam und dem restlichen Sichuan-Pfeffer toppen. Zum Schluss noch ein paar Tropfen geröstetes Sesamöl darüber.
- Fertig. Cremig, ordentlich würzig und mit diesem leicht prickelnden Sichuan-Pfeffer, der einem beim ersten Bissen noch freundlich begegnet und beim dritten dann doch ziemlich deutlich macht, dass er da ist.
Notizen
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